„Wenn’s ne Frau wäre, würde ich von Liebe sprechen!“


 

Köln und die Hausnummern. Ein Drama, das mich schon zu meinen Rettungsdienstzeiten in den 1990’er-Jahren in dieser Stadt in die Verzweiflung trieb. Hausnummer 15. Da wartet Sascha Lange Bild 1auf mich. Doch die Hausnummernfolge auf einer der Hauptstraßen der Domstadt will und will nicht passen. Bis sich, oh Wunder, die bislang noch dreistellige Hausnummernfolge plötzlich auf die gesuchte „15“ mit einem Schlag eindampft. Ja. Das ist Köln. Mit Logik hat das nichts zu tun. Muss es in dieser Stadt auch nicht, als eingeborener Domstädter kenne ich das schon. Im Aufzug geht es schnell nach oben. Fast Auge-in-Auge mit dem Fernmeldeturm „Colonius“, nach dem Dom das zweite Wahrzeichen der Stadt, wartet ein perfekt vorbereiteter Konferenzraum auf mich. Andrea Menge schießt (wie immer gekonnt, routiniert und mit dem Blick für die Feinheiten) ihre Fotos. Sascha Lange legt noch schnell eine Ladung Gel ins Haar. Mikrofonprobe 1, Mikrofonprobe 2 – und los geht’s!

Nein, man könnte jetzt nicht sagen, dass sich Lange in dieser Art Bühnensituation auf Anhieb ungemein wohl fühlt. Fotos, Mikrofone, Bild 2Interview: Er, Vertriebsprofi durch und durch, liebt eher die persönliche Eins-zu-Eins-Situation. Das praktiziert er übrigens nach wie vor auch in seiner Funktion als Geschäftsführer gleich zweier Personaldienstleister. Er ist, ganz bewusst, eher selten im Büro anzutreffen. Lange ist lieber unterwegs, direkt an der Front, direkt bei den Kunden, direkt bei den Standorten, direkt bei den Mitarbeitern: „Ich persönlich bin halt nicht der Geschäftsführer, der hier jeden Tag in Köln sitzt, um irgendwelche Excel-Tabellen zu erstellen und Zahlen von links nach rechts zu schieben.“ Und so fremdelt er zunächst noch etwas mit der abstrakten Interview- und Fotosituation. Seinen dafür typischen, von mir so genannten „Lange-Blick“, kenne ich schon seit Jahren. Wie ein Radar erfasst er die ihn umgebende Situation – um sich fast augenblicklich perfekt darauf einzustellen. Wir kennen uns schon. Und sogar ein Interview hat es zwischen uns schon gegeben. Bei „MPiD“, einem Branchentreff, den ich einige Jahre mit einer Reihe Kolleginnen und Kollegen in Essen moderierte, feierten wir seinerzeit das fünfjährige Jubiläum. Das war 2012. Seitdem ist viel passiert. In der Branche. Und im Leben des Sascha Lange.

Seine Sprache, sein Soziolekt ist ungemein interessant. Und definitiv einer seiner Erfolgsfaktoren. Einerseits merkt man ihm die Bild 3Mischung aus Niederrhein und Ruhrpott deutlich an. Aber er mischt den durchaus angenehmen Sound des Dialekts mit einer eminent präzisen Aussprache. Er schleift seine Sätze, die sowohl in der Mitte als auch am Ende stets auf den Punkt kommen. Wer ihm zuhört, diese Eigenschaft beherrscht er perfekt, hat fortwährend das Gefühl, etwas ungemein persönliches, sehr wertvolles zu hören. Gleichzeitig schafft er es in praktisch einem rhetorischen Zug, die gebotene Distanz zwischen sich und dem jeweiligen Gesprächspartner zu wahren. Lange ist kein Schulterklopfer. Er ist ein Augenhöhe-Kommunikator. Gepaart mit seinem schon angesprochenen Soziolekt bekommt er den für seine Position notwendigen Drahtseilakt der jeweils richtigen Ansprache locker, fast traumwandlerisch hin: Er kann mit Großkopferten. Er kann aber auch Stammtisch. Und … zwischenzeitlich kann er auch privat. Doch dazu später mehr.

Alles begann mit einer kaufmännischen Ausbildung. Fernab der Bild 4Zeitarbeit. Fernab der Personaldienstleistung. Doch dann ging alles ziemlich fix, wie er schildert: „Relativ übergangslos. Ich habe nach meiner Ausbildung noch einmal ein Jahr als Angestellter gearbeitet, und habe dann eine neue berufliche Herausforderung gesucht.“, erzählt er. Und hält seinen Weg in die Branche für durchaus typisch. Seiteneinsteiger, Quereinsteiger überhaupt, stehen in einer langen Tradition der rund 44-jährigen Geschichte der Zeitarbeit. Sie, die Branche, ist idealtypisch für Menschen, die eine Abwechslung, eine Neuorientierung suchen. Viele berufsbiographische Erfolgsgeschichten der Branche haben so begonnen. Ein Umstand, auf den Lange stolz ist, denn auch in seinem Unternehmen gibt es nicht wenige Seiteneinsteiger, die im Laufe der Jahre heimisch geworden sind. Sein eigener Branchenwerdegang liest sich wie das Who-is-Who der Lünendonk-Liste: „Ich habe angefangen bei Adecco (…), wo ich am Ende des Tages fast acht Jahre beschäftigt war.“ Zu dem Zeitpunkt zeichnet sich der weitere Weg noch nicht ab, denn: Lange ist in einer Niederlassung in Wuppertal zunächst Sachbearbeiter. „Ich erinnere mich: Sogar noch mit einem externen Arbeitsvertrag!“, fügt er schmunzelnd hinzu. Noch nix mit Vertrieb. Noch nix mit Geschäftsführung. Man scheint sehr angetan von seiner Leistung zu sein. Und von seinem Ehrgeiz, einem weiteren Erfolgsfaktor Langes. Es folgt die Berufung zum Vertriebsdisponenten. Von da an ist der Weg klar. Und es geht schnell: „Ein Geschäftsführer der Adecco hat mir dann eine Niederlassungsleitung in Bochum angeboten.“ Hier ist er einer der jüngsten Niederlassungsleiter im Unternehmen. Und hat einen großen, alles andere als einfachen Standort zu führen. Er bekommt das hin. „Ich hatte immer eine sehr vertriebslastige Ausrichtung“, schildert er, wobei er das Wort „Vertriebslastig“ kräftig betont. Und wird Vertriebsleiter einer großen Region. In seinem nächsten Schritt, er wollte raus aus der eher anonym empfundenen Struktur eines Konzerns, führt ihn der Weg in den Mittelstand der Branche. Berufungen als Vertriebsleiter, Regionalleiter und Key-Account-Manager führen in seine heutige Position: Er ist alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer zweier verbundener Personaldienstleister des Branchenmittelstandes.

Eine klassische „Tellerwäscher-Karriere“? Das trifft es zwar im Prinzip. Aber es ist der falsche Begriff. Zutreffend ist es, weil Lange einen wie an der Schnur gezogenen Weg von der rein administrativen Kraft zum Geschäftsführer gegangen ist. Unzutreffend ist der Begriff, weil er zu melodramatisch klingt. Lange hat einen enormen Ehrgeiz – anders ist eine solche Karriere nicht machbar. Aber er hat sich nicht verbiegen oder falsche Kompromisse abringen lassen. Im Kern ist er der autochthone, authentische Sascha Lange geblieben: Klartext liebend. Klartext sprechend. Und immer vorn an der Front. Erreichbar. Ansprechbar. Wer ihn fragt, muss indessen mit einer Antwort rechnen. Er, der Augenhöhe-Kommunikator, geht keinem Gespräch aus dem Weg.

Bild 5Wir sprechen noch über seinen Branchenweg. Und die Zeitarbeit an sich. Hier ist, wie schon bei anderen unserer Portraitgäste, die Leidenschaft für die Branche spürbar. „Wir tun Gutes. Wir bringen Menschen in Arbeit, und nehmen unsere Arbeitgeberfunktion sehr ernst!“, fügt er mit reichlich Dezibel in der Stimme hinzu. Branchengegner stehen bei solchen Sätzen gerne schon mal kurz vor dem Kollaps. Was noch ein anderes Thema mit sich bringt: Wie geht er mit dem Image der Branche um? „Früher, bis vor wenigen Jahren, sehr, sehr emotional und kämpferisch. Inzwischen ein Stück weit abgestumpft.“ Damit meint er die unkonstruktive, polemische und zumeist externe Kritik, die er zwischenzeitlich an sich abprallen lässt. Die Entwicklung der Branche hin zu einem Tarifpartner, der nach mit Gewerkschaften ausgehandelten Tarifen und Bedingungen vergütet und beschäftigt, habe ihn ein Stück weit gelassen gemacht: „Wir haben an unserem Ruf ganz deutlich, ganz positiv gearbeitet. (…) Wir sind eine kleine Branche, es gibt deutlich größere Branchen, um die sich – auch die Politik – kümmern sollte.“ Bleibt noch die Frage, wie er seine persönliche Beziehung zur Branche definiert. Und hier fällt, halb schmunzelnd, halb ernst gemeint, der Satz, von dem ich sofort weiß, dass er der Portraittitel werden wird: „Wenn’s ne Frau wäre, würde ich von Liebe sprechen!“

Lange stand, der Namens-Wortwitz muss jetzt sein, lange auf meiner Wunschliste als Portraitgast. Er hat diese Ecken und Kanten, die sich mit einem spannenden berufsbiographischen Weg verknüpfen. Ideal für ein Portrait. Bereits letztes Jahr hätte ich ihn gerne vor der Kameralinse und dem Mikrofon gehabt. Doch im Leben fährt der Aufzug nicht immer nur senkrecht nach oben. Und so kam es, dass Lange im vergangenen Jahr andere Dinge um die Ohren hatte. Privates ist privat, weil es privat ist. Dennoch spricht er den Umbruch in seinem Leben an. Wir kommen darauf, weil er neben seiner Eigenschaft als leidenschaftlicher Branchenakteur vor allem auch eines ist: Leidenschaftlicher Vater zweier Kinder, einem kleineren Sohn und einer größeren Tochter. 

Lange ist, wie schon beschrieben, kein Stubenhocker. Er führt sein Unternehmen nicht anonym aus dem Büro heraus, sondern ist lieber vor Ort. Damit aber auch viel unterwegs. Bundesweit. Dabei bleibt das Familiäre schon einmal auf der Strecke. Und das kann zum Problem werden. „Das schönste und wichtigste in meinem Leben sind die Kinder. Da ist der Job zweitrangig.“ Eine starke Aussage für einen Geschäftsführer. Aber es passt zur Aufstellung des mittelständischen Unternehmens, das der Familie der Mitarbeiter immer Vorrang einräumt. Seine eigene Situation beschreibt er so: „Jetzt habe ich, seit etwa anderthalb Jahren, die etwas unglückliche Situation, dass meine Kinder nicht mehr mit mir im Haushalt leben, ich sie aber regelmäßig habe. (…) Ich bin ein ganz fester Bestandteil meiner Kinder, wir haben täglichen Kontakt.“ Eine feste Regelung führt dazu, dass es regelmäßigenBild 6 persönlichen Kontakt gibt. So gehört etwa der Donnerstag einer jeden Woche zum festen Vater-Kinder-Tag, die von ihm gerne und häufig so genannten „Papa-Wochenenden“ und gemeinsame Urlaube kommen hinzu. Unser erster geplanter Interview-Termin fiel auf einen Donnerstag – und wurde folgerichtig verlegt, denn Lange ist in der Hinsicht konsequent: Die Kinder haben Vorrang. Zu den Papa-Pflichten gehörte kürzlich, und es ist ein Ausdruck höchster väterlicher Liebe, sich dies zuzumuten, ein gemeinsamer Besuch mit der Tochter bei den „Lochis“. Er hat es durchgehalten. Und war der Held des Töchterchens. Freilich erst wieder, nach dem der Auftritt der geliebten Lochis beendet war. Klar. Und auch beim Nesthäkchen, dem kleineren Sohn, gab es Grund zum Feiern: Kürzlich bestand er seine „Seepferdchen“-Prüfung. Während des gemeinsamen Inselurlaubs auf Mallorca. Im Hotelpool. Soll mal einer sagen, Erfolge gibt es nur im Geschäft!

Ich kenne Sascha Lange seit vielen Jahren. Etwa 2008 lernten wir uns kennen. Ich kannte ihn als sehr stringenten, stets im Business-Modus agierenden Branchenfachmanns. Hocheloquent, beim Branchenstammtisch auch gerne mit gelockerter Krawatte – aber immer straight auf Business gebürstet. Das hat sich deutlich geändert. Die letzten anderthalb Jahre waren ein Einschnitt im Leben des Sascha Lange. Er hat diese Veränderung, diesen Umbruch angenommen. Und verkörpert sie. Er wirkt gelassener und, ja, das bleibt im Falle privater Erfahrung nicht aus, persönlich gereifter. Er bekommt sie nicht nur hin, die Trennung zwischen Geschäftlichem und Privatem. Er verkörpert es. Eine Aussage, wie jene, nach der ein Job auch einmal „zweitrangig“ sein kann, hätte es zu früheren Zeiten nicht gegeben. Mitunter ist es, alles in allem betrachtet, nicht zwingend von Nachteil, wenn ein Aufzug ausnahmsweise auch mal nicht senkrecht weiter nach oben fährt. Sondern eine Pause einlegt.

Apropos Pause: Wir sitzen, eine Zigarette rauchend, in seinem Büro.Bild 7 Ich selbst bin seit rund acht Jahren Nichtraucher, nutze die Gelegenheit eines gemeinsamen Pfeifchens aber immer mal wieder gerne. Wir plaudern über das bisherige Gespräch. Und kommen auf eine Landkarte an der Wand zu sprechen. Es ist, fein säuberlich mit farblich unterschiedlichen Fähnchen gekennzeichnet, die Landkarte des Unternehmens. Standorte. Vorhandene. Und geplante. Die Expansionsstrategie, die er mir als Betriebsfremden natürlich nur abstrakt erklärt, ist interessant. Auch hier wieder: Ehrgeiz. Aber auch, und jetzt schimmert die private Erfahrung wieder durch: Gelassenheit. Lange, den ich immer nur unter Strom stehend, das Kinn maximal gespannt kannte, hat offenkundig gelernt, in sich zu ruhen: „Es gibt ja auch den Privatmann. (…) Wenn ich mich charakterisieren müsste, würde ich sagen, ich habe meine innere Mitte gefunden. Privat. Aber auch beruflich.“ Probleme gibt es. Immer mal wieder, überall mal wieder. Er sieht sie als Herausforderungen. Das ist, so weit, eine Binsenweisheit für Vertriebler. Die Kunst liegt darin, aus dieser abstrakten Binse ein konkretes, lebens- und berufstaugliches Rollenverständnis abzuleiten. Und umzusetzen. Er schildert es an dem Beispiel seiner 32 Standorte, für die er aktuell Verantwortung trägt. „Da gibt es immer mal den einen oder anderen, der nicht so funktioniert.“ Klar. Lange, der Augenhöhe-Kommunikator und Niederrhein-Ruhrpottler, der zu früheren Zeiten die Grundspannung in der Muskulatur auf Maximum geschaltet hätte, sieht es heute so: „Da kann man sich nun die verschiedensten Managementtools einfallen lassen. Oder die verrücktesten Entscheidungen treffen. Man kann aber auch mit einer gewissen hemdsärmeligen Mentalität mit Ruhe und Gelassenheit daran gehen, um diese Herausforderung zu lösen. Und das bin ich. Dafür stehe ich.

Die Sache mit den Herausforderungen. Ich greife den Punkt auf, und erinnere ihn an seine Mail-Antwort auf meine Interview-Anfrage. „Ich nehme“, so schrieb er, „die Herausforderung an!“. So gefrotzelt wechselt er kurz, aber spürbar den Sprachmodus. Und wird ernst im Ton. „Ich habe unterschätzt …“, und stockt einen Moment. Er zählt einen Teil der portraitierten Köpfe der Zeitarbeit auf: Thomas Altmann, Thorsten Rensing, Birgit Albus – und fährt fort: „…das sind ganz wertvolle Menschen, die mich seit Jahren begleiten, die ich sehr schätze (…) und wo sich punktuell Freundschaften entwickelt haben. Und ich habe verdrängt, dass hier viel Privates hinterfragt wird. Für mich war es eine Herausforderung … (überlegt) im geschäftlichen Bereich … (überlegt) also, ich nehme so oder so (überlegt) … ach, jetzt komme ich aus der Nummer nicht mehr raus.“ Wir lachen beide. Der frühere Sascha Lange kreuzte sich kurz mit dem heutigen. Der gelassenere hat gewonnen. Und schmunzelt über sich selbst. Es ist eben viel passiert. Nicht nur in der Branche. Sondern auch im Leben des Sascha Lange.

Beruflicher Werdegang und persönliche Zeitläufte sind das eine, Business das andere. Lange hat konkrete Vorstellungen, wenn es um Bild 8die Entwicklung der Branche geht. Sie ist klein. Das wiederholt er, weil es ihm als Branchenvertreter sehr wichtig ist: „Man darf bei allem nicht vergessen, wir sind eine ganz kleine Branche.“ Und zählt die Zahlen auf: Rund eine Million Beschäftigte. Etwa zwei bis zweieinhalb Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl in Deutschland. Und wundert sich, dass sich die Politik in schon bereits bestehende Tarifvereinbarungen einmischt. Er spielt damit auf die aktuellen Mal-wieder-Änderungen im AÜG an, deren Urheberin Andrea Nahles er im späteren Verlauf des Abends noch recht deutlich klassifiziert. In Summe bemängelt er an der Politik ihre mangelnde Verlässlichkeit: „Jede Legislaturperiode kommt eine andere Regierung (…) um sich am Thema Zeitarbeit zu profilieren.“ Das gehe zu Lasten vernünftiger Planbarkeit. Was er in diesem Kontext lobt, ist die stark gewordene Vernetzung innerhalb der Branche. Als starker Netzwerker steht er in ständigem Kontakt mit vielen Branchenvertretern. Und es gelinge dadurch immer besser, sich speziell im Rahmen von Image vs. Pauschalkritik zu wappnen und erfolgreich zu wehren. Große Anerkennung spricht er auch seinem Verband, dem iGZ aus: „Wir sorgen dort durch ganz viele Aktionen für einen guten Leumund (…), dass wir ganz normale Arbeitgeber des ersten Arbeitsmarktes sind. Das ist wichtig!“ Auch das Thema Tarif und Entgelt ist ihm bedeutend. „Bestenfalls sollen unsere Mitarbeiter gut verdienen.“ Sogar der vieldiskutierte Punkt des „Equal Pay“ schreckt ihn dabei nicht, im Gegenteil. Doch nicht nur das. „Ich bin, übrigens schon seit Längerem, derjenige der gesagt hat: Ich möchte (…) eine Angleichung von Löhnen im Osten und im Westen. Nicht nur in der Zeitarbeit, sondern ganz generell in der Wirtschaft.“ Tariftransparenz, Equal Pay, Angleichung von Löhnen in Ost und West, die Branche als service- und nutzenorientierter Dienstleister für Kunden und Bewerber: Lange reiht sich damit ein in eine neue Generation von selbstbewussten MacherInnen und ManagerInnen der Personaldienstleistung, die Wirtschaft und Arbeit konkret gestalten wollen. Man darf davon ausgehen: Lange wird dabei eine sehr aktive Rolle spielen!

Die Ruhe des späten Freitags kehrt in der Zentrale ein. Der Tag neigt sich dem Ende zu. Das Mikrofon ist aus, die Aufnahme ist drin. Erste Entspannung macht sich breit. Andrea Menge schießt noch ein paar Abschlussaufnahmen, die wir für die Promotionbilder benötigen. Sascha Lange drängelt. Er möchte raus aus dem Anzug. Die Fotos sind geschossen. Und Lange zieht sich erstmal um. Steht plötzlich da, in Jeans und Shirt. Der Geschäftsführer bleibt im Büro. Der Privatmann geht jetzt ins Wochenende. Wir schließen den Abend in einem Brauhaus der nahe gelegenen Kölner Altstadt, mit direktem Rheinblick, ab.

Der zweite Teil. Es wird privat. Kölsch wird serviert. Und der Pils- und Weizenbierfreund Sascha Lange gibt sich nur mäßig Mühe, dieBild 9 kleinen Gläser zu mögen. Fußball wird zum Thema. Für den Niederrhein-Ruhrpottler keine einfache Aufgabe. Denn eigentlich war er mal Mönchengladbach-Fan. Der Liebe wegen ist der gebürtige Wuppertaler vor rund fünfzehn Jahren ins Ruhrgebiet gezogen. Und das hat wohl gewirkt: Mittlerweile ist er Schalke-Fan. Und reichlich häufiger Besucher der Arena. Zum Zeitpunkt unseres Interviews kein einfacher Stand: Schalke hatte bis zu diesem Zeitpunkt kaum einen einzigen Punkt erwirtschaftet. Aber man kann mit ihm lachen, sein überwiegend schwarzer Humor macht auch vor sich selber nicht halt. Dennoch wird er noch mal nachdenklich. Geschäftlich ärgert ihn die ja schon am Nachmittag angesprochene Frau Nahles. Weil sie Entscheidungen trifft, wo ihr einfach die Ahnung fehle. Und privat? Ja, dass Menschen, die lange Zeit einmal miteinander verbunden waren, versuchen sollten, einfach mal wieder zusammen zu reden. Und es doch nicht schaffen. Derzeit. Doch die Wolken verziehen sich, die Sonne kehrt zurück: Seine Tochter, und seine Mimik wird wieder hell, bringt ihm aus ihrer YouTube-Welt der Lochis Worte und Begriffe bei, die er in seiner Jugend nie gehört hat. Er lacht. Und sogar das Kölsch schmeckt ihm in diesem Moment.

Zu Ende geht ein wirklich spannender Tag. Um es in Sascha Langes Worten zu sagen: Eine Herausforderung. Und nachdem so vieles passiert ist, in der Branche, im Leben des Sascha Lange, fasst er es selbst kurz und bündig zusammen: „Alles schön!“ Sogar die Lochis hat er überstanden. Und Schalke sammelt wieder Punkte. Passt.


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